Kirchenasyl-Adventskalender

Geschichten statt Schokolade

Kirchenasyl-Adventskalender – Geschichten statt Schokolade

„Mag sein, dass morgen der jüngste Tag anbricht. Dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen – vorher aber nicht.“ Dietrich Bonhoeffer

Geschichten statt Schokolade

Pastorin - Geschichten statt Schokolade

Pastorin Dietlind Jochims

Mit einem Kirchenasyl übernehmen Christ*innen Verantwortung für verzweifelte Menschen in außergewöhnlichen Notlagen. Sie bitten die staatlichen Behörden um eine neuerliche Bewertung des „Falls“, wenn sie annehmen, dass besondere Härten bislang übersehen wurden. Kein Kirchenasyl gleicht dem anderen. Mit 24 ganz unterschiedlichen Perspektiven möchte dieser Online-Kalender Sie durch die Adventszeit begleiten. Jedes Türchen öffnet eine Geschichte: Geflüchtete, Angehörige, Wahl-Großmütter, Unterstützende, Pastor*innen, Beratende schildern ihre Begegnungen und eigenen Erlebnisse im Kirchenasyl. Familie Haidari, Sabine, Mahdi oder Amaal – die Menschen aus den Adventskalendergeschichten leben hier in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie erzählen von Ungewissheit und schwierigen Entscheidungen, aber auch von Dankbarkeit und besonderen Begegnungen. Es sind eindrückliche Zeugnisse von Hoffnung, Warten und Mut. Manche der Geschichten haben ein Happy End, bei anderen gibt es noch keine Entscheidung.

In der Kirchenasylpraxis geht es uns häufig so: Wir sehen die Menschen und hören ihre Geschichten. Wir sehen Behördenfehler, vermeintlich „nicht-außergewöhnliches“ Elend, menschliche Tragödien. Was wir hören und sehen, belegt auch das enorme Versagen einer europäischen Flüchtlingspolitik. Das macht uns oft ratlos und wütend. Dieses Versagen werden wir mit Kirchenasyl nicht heilen können. Lediglich ein sehr kleiner Teil der Anfragen mündet in ein Kirchenasyl. Aber Kirchengemeinden versuchen, besonders schwere Notlagen für einzelne Menschen zu lindern. An den individuellen Schicksalen der Frauen, Männer und Kinder in momentan etwa 550 Kirchenasylen bundesweit werden die nicht zumutbaren Härten deutlich, die durch Abschiebungen entstehen.

Wir sollten den Advent nutzen als Zeit der Besinnung und Umkehr und als Kirche deutlich Stellung beziehen: Kirchenasyl ist Menschenrechtsarbeit, christlich geboten und ureigener Auftrag der Kirchen!

Allen Erzählenden danken wir sehr für ihre Offenheit und ihren Mut und allen weiteren Mitwirkenden, besonders den Flüchtlingsbeauftragten der Kirchenkreise in der Nordkirche, für ihr Engagement. Den Geschichten wünschen wir viele Leser*innen. Mögen sie adventlich nachdenklich machen und adventlich ermutigen. Wir werden uns weiter für den Schutz von Geflüchteten in besonderen Notlagen einsetzen - auch mit Kirchenasylen.

Mit guten Wünschen für eine gesegnete Adventszeit,

Pastorin - Unterschrift