Kirchenasyl-Adventskalender

Grußwort Bischof Gothart Magaard

Kirchenasyl-Adventskalender – Grußwort Bischof Gothart Magaard

Grußwort

Geschichten berühren mich, weil mich die Schicksale von Menschen berühren. Hinter jedem Kirchenasyl verbirgt sich eine Geschichte, die zum Schutz der Betroffenen meist im Verborgenen bleibt. Der diesjährige Adventskalender „Geschichten statt Schokolade“ gibt mit jeder der vierundzwanzig Türen einen Einblick in diese Geschichten, um sichtbar und öffentlich zu machen, worum es beim Kirchenasyl geht. Dabei wird zugleich der geschützte Rahmen, den Menschen hier erfahren, geachtet.

Die uralte religiöse Praxis des Kirchenasyls geht darauf zurück, dass Menschen in äußerster Not im Angesicht des Heiligen einen Schutzraum finden. Es schafft einen Raum, in dem die Gefahr für eine Weile gebannt und Verfolgung unterbrochen wird. Es schafft die Möglichkeit, Entscheidungen neu zu bewerten. Was vor Jahrtausenden begann, gilt auch heute: das Kirchenasyl unterbricht einen gnadenlosen Ablauf und bewahrt Menschen vor Gefahr an Leib, Seele und Leben. Wir brauchen die Erinnerung an diese uralte Praxis gerade in Zeiten, in denen dieser Schutzraum für Menschen in Frage gestellt wird und Gemeinden, Pastorinnen und Pastoren und ehrenamtliche Initiativen, die Kirchenasyl gewähren, Anfeindungen ausgesetzt sind. Denn das Kirchenasyl ist auch heute noch bitter notwendig, um einzelnen Menschen in unserem Rechtsstaat eine Chance zu geben und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Deshalb danke ich allen, die sich engagieren: den Gemeinden, die Räume und Mittel zur Verfügung stellen, den vielen ehrenamtlichen Unterstützerkreisen, die dazu beitragen, dass die Menschen im Kirchenasyl die schwierige Zeit des Abwartens und der Ungewissheit überstehen, und auch all den Menschen, die in Verhandlungen und Gesprächen eine neue Bewertung ihrer Geschichten erwirken, so dass Härten erkannt und Möglichkeiten gefunden werden, Gefahr dauerhaft zu bannen.

Mir ist es wichtig, dass Kirchenasyle in guter Absprache mit Behörden durchgeführt werden, weil sie eben nicht den Rechtsstaat unterlaufen, sondern die übersehenen Schicksale und Geschichten von Menschen in den Blick nehmen, um im besten Fall eine Neubewertung zu ermöglichen. Ich bin den Flüchtlingsbeauftragten in unserer Kirche sehr dankbar, dass sie oft unter Zeitdruck hilfreich und beratend zur Seite stehen und für einen geordneten Ablauf sorgen.

Das Kirchenasyl ist in einem demokratischen Rechtsstaat Erinnerung und Mahnung, dass die Menschenrechte universale Geltung haben müssen. Advent ist die Zeit der Erwartung auf Gottes Gegenwart unter uns Menschen. So wünsche ich allen Mut und Geduld in der Haltung dieser Erwartung und in dem Einsatz dafür, dass uns Menschen – allen Menschen – Recht und Gerechtigkeit widerfährt.

Ihr

Bischof - Unterschrift

Bischof Gothart Magaard
Schleswig, im Advent 2018