5. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

(K)ein sicherer Ort

5. Dezember: (K)ein sicherer Ort

Sofia Haile (24) war 2017 in einer schleswig-holsteinischen Kleinstadt im Kirchenasyl. Aufgrund der Erfahrungen in ihrem Heimatland und auf der Flucht war sie sehr schwer traumatisiert. Auch in ihrem Ersteinreiseland Italien musste sie schlimme Erfahrungen machen. Medizinische oder therapeutische Hilfe erhielt sie dort nicht.

(K)ein sicherer Ort

Mein Name ist Sofia Haile, und ich komme aus Eritrea. Im Dezember 2016 bin ich nach Deutschland gekommen. Ich war zuerst in der Erstaufnahmeeinrichtung. Nach einigen Monaten erhielt ich einen Brief vom Bundesamt, in dem stand, dass ich zurück nach Italien muss, weil ich dort mit meinen Fingerabdrücken registriert worden war. Nach diesem Brief hatte ich jede Nacht Angst, dass die Polizei mich abholt und nach Italien bringt. Ich hatte Angst, weil Italien für Frauen, die wie ich alleine geflohen sind, kein sicherer Ort ist.

Ich wusste, dass ich großes Glück hatte, als die Gemeinde mich ins Kirchenasyl aufnahm. Ich hatte einen Raum für mich alleine und konnte zur Ruhe kommen. Die Menschen aus der Gemeinde halfen mir bei allem sehr: Sie fuhren mit mir zum Arzt, kauften ein und übten jeden Tag Deutsch mit mir. Manchmal habe ich noch schlimme Erinnerungen an das, was ich in meiner Heimat und auf der Flucht erleben musste. Aber mir half es sehr, dass ich in der Gemeinde Menschen treffen konnte und wir zusammen lachen konnten. Ich nahm an allen Veranstaltungen in der Gemeinde teil. Ich fühlte mich hier wie zu Hause.

Nach der Zeit im Kirchenasyl hatte ich eine Anhörung beim Bundesamt und wurde dann als Flüchtling anerkannt. Ich bin dankbar, dass ich hier bleiben darf. Zurzeit besuche ich einen Deutschkurs. Die Menschen aus der Gemeinde haben mich einmal in der Stadt, in der ich jetzt lebe, besucht. Das hat mich sehr gefreut.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.