4. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Nach zehn Jahren willkommen

4. Dezember: Nach zehn Jahren willkommen

Die siebenköpfige Familie Nazari war in Hamburg im Kirchenasyl. Rechtlich begleitet wurde sie von der Beratungsstelle Fluchtpunkt. Einer der dort tätigen Rechtsberater erinnert sich.

Nach zehn Jahren willkommen

In Panik berichtete der Mann in unserem Büro, dass seine Familie mit fünf Kindern nach Norwegen abgeschoben werden sollte. Dort drohe ihnen die nächste Abschiebung nach Afghanistan. Die jüngsten Kinder der Familie, Zwillinge, waren gerade ein Jahr alt, und tatsächlich gehört Norwegen zu den Ländern, die auch Familien mit kleinen Kindern in das von Krieg und Gewalt zerrüttete Land am Hindukusch abschieben. Von dort war die Familie vor mehr als zehn Jahren geflohen.

Bei einem ersten Dolmetschergespräch wurde deutlich, wie schwer belastet besonders der elfjährige Sohn und der Vater waren. Leider blieb der Versuch, eine Abschiebung nach Norwegen gerichtlich zu verhindern, erfolglos. Als Rechtsberater wusste ich nicht weiter. Ich machte mir große Sorgen, wie es mit der Familie weitergehen und was ihnen wohl zustoßen würde – aber ich wusste keinen Ausweg.

Wochen später stand der Vater wieder bei uns im Büro und – strahlte! Eine Kirchengemeinde habe sich bereit erklärt, die gesamte Familie in den Schutz des Kirchenasyls zu nehmen. Doch die Kirche schützte die Familie nicht nur: Durch die Betreuung während des Kirchenasyls erfuhren sie weitere Unterstützung. Die erlittenen Traumata konnten trotz fehlender Krankenversicherung therapeutisch behandelt werden. Die älteren Kinder gingen begeistert zur Schule. Erstmals seit Beginn ihrer langen Flucht fühlten sie sich willkommen. Nach dem Kirchenasyl wurde die Prüfung der Asylgründe durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge neu aufgenommen. Familie Nazari wartet noch auf die Entscheidung, aber ich bin mir sicher: Sie wird jetzt den Schutz erhalten, den sie benötigt! Dank des Engagements der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.