2. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Ein Dorf steht zusammen

2. Dezember: Ein Dorf steht zusammen

Die Lebensbedingungen anerkannter Geflüchteter in Bulgarien sind in den Fokus geraten: Sie sind mit europäischen Werten nicht zu vereinbaren, urteilten Gerichte. Erste Bundesländer haben im November 2018 einen Abschiebestopp für anerkannte Geflüchtete nach Bulgarien erlassen. Die Zustände für Geflüchtete sind in dem Balkanstaat schon länger unzumutbar: Kirchenasyle sind auch ein Seismograph für Missstände.

Ein Dorf steht zusammen

Ende 2015: Eineinhalb Jahre lebte Familie Haddad bereits in dem kleinen 400-Seelen-Ort. Vor dem Krieg in Syrien war sie geflohen, mit großer Offenheit und viel Unterstützung war sie im Dorf aufgenommen worden. Schnell waren Eltern und die vier Kinder in Schule, Gemeinde, Sportverein und Kleiderkammer gut angekommen.

Als deutlich wurde, dass sie zurück nach Bulgarien sollten, wo ihnen Flüchtlingsschutz gewährt worden war, stand das Dorf zusammen: Mehr als 100 Unterschriften wurden gesammelt für eine Petition. Viele schrieben Briefe und schilderten, wie vorbildlich die Familie sich integrierte. Ausführlich hatte die Familie bereits aufgeschrieben, was in Bulgarien geschehen war. „Lieber gehen wir zurück in den Krieg nach Syrien als dorthin“, hatte die Mutter mehrfach gesagt.

Dann kam der nächtliche Abschiebeversuch. Der Vater brach zusammen, musste ins Krankenhaus. Zwei der Kinder liefen völlig verstört in die Nacht davon. Die Mutter und die zwei jüngeren Kinder wurden zurück gebracht ins Dorf. Nach Tagen erst tauchten die älteren Kinder wieder auf, und der Vater wurde aus der Klinik entlassen.

Dem Dorf war klar, der Kirchengemeinde war klar: Diese Familie braucht uns jetzt besonders, sie braucht unseren Schutz. Das Kirchenasyl war das Handeln eines ganzen Dorfes. In den langen Monaten, die es brauchte, um eine Lösung für die Familie zu finden, waren christliche Gemeinschaft und Dorfgemeinschaft eins. Für Familie Haddad wurde schließlich ein Abschiebeverbot nach Bulgarien erwirkt. Sie lebt auch heute noch in ihrem kleinen Dorf.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.