14. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Angst vor dem 18. Geburtstag

14. Dezember: Angst vor dem 18. Geburtstag

Sami kommt aus Somalia. Nachdem er in Schweden kein Asyl gewährt bekam, zog er weiter nach Finnland, Deutschland, Frankreich und erneut nach Deutschland. Auf der Suche nach Hilfe kam er hier zur Caritas. Eine Sozialberaterin erzählt.

Angst vor dem 18. Geburtstag

Sami reiste mit 15 Jahren alleine in Schweden ein und stellte dort einen Asylantrag. Nach kurzer Zeit wurde er abgelehnt. Weil Sami minderjährig war, durfte er trotzdem vorerst bleiben und beendete die 12. Klasse erfolgreich. Je näher sein 18. Geburtstag rückte, desto größer aber wurden seine Zukunftsängste. Mit 18 würde er nicht weiter bleiben dürfen. Ein Leben auf der Straße in Schweden und schlimmstenfalls die Abschiebung nach Somalia. Dort würde ihn der Tod durch die Terrormiliz erwarten, die schon seinen Bruder und Vater getötet hatte.

Viele Menschen feiern ihren 18. Geburtstag, doch für Sami bedeutete dieser Tag den Beginn eines Lebens ohne Perspektive. Er sollte ausreisen, erhielt keine Unterstützung mehr, galt als „illegal“. Nach einer Woche Obdachlosigkeit reiste er nach Finnland. Von dort aus wurde er aber nach Schweden zurückgebracht. Die Begründung: Schweden ist zuständig. So sagt es die „Dublin III-Verordnung“.

Sami kam nach Deutschland, aber Schweden blieb zuständig. Er wurde erneut dorthin abgeschoben. Freunde gaben ihm ein wenig Geld, Sami reiste nach Frankreich. Doch auch von dort aus wurde er nach neun Monaten wieder nach Schweden gebracht. Dort drohte ihm wegen seines abgelehnten Asylantrages die Abschiebung nach Somalia.

Seine letzte Hoffnung war ein erneuter Versuch, in Deutschland Asyl zu beantragen. Als er hier ankam, suchte er Hilfe in meiner Sprechstunde. Der mittlerweile 20-jährige junge Mann erzählte mir von seiner Fluchtgeschichte, seiner Verzweiflung, Depressionen und Zukunftsängsten. Die Situation machte ihn krank. Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus wurde notwendig. Er wird voraussichtlich bald entlassen. Danach wird ihm nach seiner jahrelangen Flucht endlich geholfen. Eine katholische Kirchengemeinde möchte ihm Kirchenasyl gewähren.

Auf der einen Seite berührt es mich, dass Sami nicht aufgegeben hat, dass er endlich Schutz erhält. Auf der anderen Seite macht es mich traurig, dass nicht jeder Mensch, der ihn braucht, diesen Schutz bekommt.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.