13. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Diesmal war es ganz anders

13. Dezember: Diesmal war es ganz anders

Vahan ist sechs Jahre alt und kommt aus Armenien. Mit seiner Mutter und der großen Schwester war er über Polen nach Deutschland gekommen und bereits einmal dorthin abgeschoben worden. 2018 lebte die Familie einige Monate im Kirchenasyl. Eine Pastorin, die sich um die Familie gekümmert hat, berichtet.

Diesmal war es ganz anders

Vahans Mutter ist eine liebevolle, starke Frau. Sie hat ihn und seine große Schwester schon oft beschützt, auch vor der Gewalt von Männern. Doch das ist nur die eine Seite. Die andere: Auch sie hat häufig Angst. Oft weint sie.

Die Familie floh vor der Gewalt des Vaters nach Deutschland. Aber sie durfte nicht bleiben. Eines Nachts wurde Vahan gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter zurück nach Polen abgeschoben, wo sie schon einmal gewesen waren – in ein Lager mit Zäunen und Wachleuten. Es war wie ein Gefängnis.

Sie hatten wenig zu essen. Wachleute belästigten Vahans Schwester. Die Mutter versuchte noch einmal, mit den Kindern nach Deutschland zu kommen. Das schafften sie auch, Vahan durfte sogar in die Schule gehen, konnte mit anderen Kindern spielen. Dann kam wieder Post von der Behörde: Die Familie sollte das Land wieder verlassen.

Aber diesmal war es ganz anders: Unsere Gemeinde kümmerte sich um die junge Familie – Kirchenasyl. Der Junge durfte mit seiner Mutter und seiner Schwester in eine Wohnung ziehen, mit einer richtigen Küche, einem Badezimmer, Platz zum Spielen. Es war gut, dieser Familie sagen zu können: „Wir wollen euch helfen. Ihr könnt jetzt einige Zeit hier bei uns bleiben.“ Zwar durfte die Mutter das Kirchengelände nicht verlassen und konnte nicht weiter zu ihrem Deutschkurs, aber Vahan und seine Schwester durften weiter die Schule besuchen. Nachbarkinder gingen mit Vahan zusammen zur Schule. Gemeindemitglieder besuchten die Familie und übten mit ihr Deutsch.

Inzwischen wohnen die drei wieder in dem einen Zimmer in der Unterkunft, aber Vahans Mutter darf jetzt eine Ausbildung machen. Sie hat inzwischen weniger Angst. Wenn ich an Vahan denke, wünsche ich ihm, dass er trotz all der Schwierigkeiten ein Zuhause findet und einen guten Weg in die Zukunft gehen kann.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.