12. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Familie ist ein Stück Heimat

12. Dezember: Familie ist ein Stück Heimat

Familie Khorasani war im Iran zum Christentum konvertiert. Die drei erwachsenen Kinder flohen deshalb vor drei Jahren nach Deutschland. Sie wurden als Flüchtlinge anerkannt. Den Eltern fiel es schwerer, ihre Heimat zu verlassen. Als Jawed und Maryam Khorasani sich 2017 zur Flucht entschlossen, erhielten sie von der französischen Botschaft ein Visum für Europa. Einer ihrer Söhne (42) berichtet.

Familie ist ein Stück Heimat

Meine Eltern sind alt, über 70 Jahre zählen sie. Und sie sind nicht gesund. Meine Mutter benötigt Pflege. Sie ist herzkrank, hat Diabetes und kann schlecht laufen. Mein Vater wird zunehmend vergesslich. Deshalb waren wir froh, als sie sich auch entschieden haben, nach Europa zu kommen. Es ist ihnen schwer gefallen zu gehen, der Iran ist unsere Heimat. Aber es war gefährlich für uns. Wer den Islam verlässt, dem droht Verfolgung, im schlimmsten Fall der Tod. Umso wichtiger ist jetzt das Stück Heimat in Deutschland, das wir als Familie sind.

Dann kam der Brief, dass unsere Eltern nach Frankreich zurück müssen. Meine Mutter hat geschrien, mein Vater ist ganz still geworden. Er ging ins Nebenzimmer und versuchte, sich mit einer Wäscheleine zu erdrosseln. Zum Glück haben wir ihn rechtzeitig gefunden. Er war dann einige Wochen im Krankenhaus. Meinen Geschwistern und mir war klar: Ohne uns würden die Eltern in Europa nicht sein können.

Seit etwa einem Jahr bin ich in meiner Gemeinde im Kirchengemeinderat. Ich habe mich mit dem Pastor beraten, ob wir meinen Eltern helfen können. Lange haben wir gesprochen, andere um Rat gefragt. Dann hat der Kirchengemeinderat beschlossen, meine Eltern ins Kirchenasyl aufzunehmen. Wir haben eine Begründung geschrieben und an die Behörden geschickt. Daraufhin hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gesagt, dass meine Eltern hierbleiben können. Bald nach dem Kirchenasyl sind sie als Flüchtlinge anerkannt worden. Gott sei Dank.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.