11. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Ich danke dir

11. Dezember: Ich danke dir

Ein ehrenamtlicher Unterstützer (79) erzählt von seiner Begegnung mit der somalischen Familie Yusuf im Kirchenasyl. Er kümmert sich gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen um geflüchtete Menschen in einer Gästewohnung seines Kirchenkreises.

Ich danke dir

Schon lange interessiere ich mich für Politik und Gesellschaft, kümmere mich um meine Familie und packe im Stadtteil mit an, wo Hilfe gebraucht wird. Als ich nun von der Gruppe in meiner Gemeinde hörte, die seit Jahren Flüchtlinge im Kirchenasyl betreut, wurde mir klar, dass es hier um gelebte Nächstenliebe geht und dass auch ich geflüchtete Menschen auf einem wichtigen Stück Weg begleiten möchte. Vor gut drei Jahren entschied ich nach einem Gottesdienst, dort mitzumachen. Dennoch hatte ich viele Fragen in meinem Kopf: Wie würden die Kontakte zu den Flüchtlingen sein? Was haben sie erlebt? Würde meine Kraft für ein längeres Engagement ausreichen? Wie gehen die anderen mit den Flüchtlingen um und wie sieht unsere Zusammenarbeit aus? Was motiviert die Gruppe? Sind wir unseren Gästen eine wirkliche Hilfe?

Diese Fragen oder Bedenken haben sich in den darauf folgenden Wochen von selbst erledigt.

Heute sage ich: Es ist keine einseitige Hilfe, im Gegenteil – ich bekomme ganz viel zurück. Richtig gerührt war ich, als ich Tage vor ihrem Auszug meine erste „Gastfamilie“, verabschiedete. Wir saßen in einem Café. Die jüngeren Kinder schenkten mir Fotos von sich und der ältere Sohn eine Karte. Auf die hatte er mit seinen fleißig erlernten Deutschkenntnissen geschrieben: „Ich danke dir dass du Mir geholfen haben und so viel für mich gemacht haben. Ich habe noch nicht jemand Mich hilft wie du. Ich vergesse dir nie in mein Leben und wir bleiben immer Kontakt. Vielen Dank.“

Es war das erste, aber nicht das letzte Mal, dass ich selbst voller Dankbarkeit auf die Begegnungen mit einer liebenswerten „Gastfamilie“ zurückblickte. Dankbar bin ich nicht zuletzt auch dafür, wie es für die Familie nach dem Kirchenasyl weiterging: Sie hat inzwischen einen positiven Bescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhalten und darf in Deutschland bleiben.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.