1. Türchen im Kirchenasyl-Adventskalender

Die Ohnmacht mit aushalten

1. Dezember: Die Ohnmacht mit aushalten

Die jesidische Familie kommt aus dem Irak. 2017/18 gewährte eine Kirchengemeinde ihr Schutz. Propst Thomas Bergemann schildert seine Gedanken.

Die Ohnmacht mit aushalten

Immer wieder gerät das Kirchenasyl in Politik und Öffentlichkeit in die Kritik.  Es heißt, die Kirchen beanspruchten mit dem Kirchenasyl eine Macht für sich, die allein staatlichen Stellen zukomme. Wenn ich als Propst eine Kirchengemeinde besuche, die geflüchtete Menschen ins Kirchenasyl aufgenommen hat, kann ich von dieser „Macht“ so gar nichts verspüren. Das Gegenteil ist der Fall.

Da sind gestandene Menschen in den Gemeinden, die ihre Komfortzone verlassen und auf einmal die Ohnmacht von geflüchteten Menschen mit aushalten. Da sind Menschen, die mit bangen, mit weinen und mit hoffen. Das sind moderne Kreuzweggeschichten mit offenem Ausgang.

Auf dem Bild sehen Sie eine Familie, die in einer Gemeinde im Kirchenasyl lebte, gemeinsam mit der Ehrenamtlichen, die sie in dieser Zeit begleitete. Es sind Jesiden, die vor dem IS geflohen sind und mehrere Jahre ohne Schutz und Sicherheit auf der Flucht waren. Kein Ort zum Bleiben. Wenige Tage, bevor sie ins Kirchenasyl kamen, wurde ihr jüngster Sohn geboren, dem sie den deutschen Namen Klaus gaben. 

Das Foto entstand, nachdem sie erfuhren, dass die staatlichen Behörden ihnen ein Bleiberecht in Deutschland erteilt hatten.  Freude, Dankbarkeit und neuer Lebensmut stehen ihnen ins Gesicht geschrieben.

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht“, sagte einmal Vaclav Havel.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.